Die Bärin und die Füchsin

Es war einmal eine Bärin, die lebte im kanadischen Wald. Sie hatte zwei Bärenkinder. Und es war eine Füchsin, die hatte viele Kinder. Sie lebte mit ihren Kindern in einem großen Fuchsbau direkt an einem Fluß. 

Als nun die Lachse zu ziehen begannen und im Fluß gegen den Strom schwammen, sagte die Füchsin oft zu ihren Kindern: „Ach, wenn ich doch nur die wundervollen Lachse fangen könnte, die würden uns allen so wohlschmecken!“

Aber sie wußte nicht, wie man Lachse fängt, und sie fürchtete sich auch vor dem kalten Wasser des Flusses.

Die Bärin, die im Wald lebte, wußte recht gut, daß die Zeit für die Lachse wiedergekommen war. Sie machte sich mit ihren Bärenkindern auf den Weg. Ihre Kinder spielten und tollten den gesamten Weg umher, doch schließlich gelangten sie an den Fluß. Dort jedoch lagerte die Fuchssippe, und die Füchsin bellte drohend gegen die Bärin, denn das Flußufer gehörte ihr, wie sie meinte.

Die Bärin war aber nicht unfreundlich und bat die Füchsin: „Wenn du uns doch erlauben könntest, hier zu lagern und zu fischen, so sollst du einen Teil des Fanges haben!“ Die Füchsin willigte ein.

So kam es, daß die Bärin in den Fluß stieg und an einer flachen Stelle mit ihren Tatzen die Fische aus dem Wasser fing. Sie warf ihren Fang ans Ufer, und die Bärenkinder und die Fuchskinder aßen gemeinschaftlich von den Lachsen und wurden rund und fröhlich und ließen es sich gut gehen. Wohl waren die Bärenkinder beim Spiel manchmal ein wenig tapsig und behäbig, und es waren die Fuchskinder manchmal etwas mutwillig und flink – doch sie vertrugen sich gut und lebten fröhlich in den Tag hinein.

„Was willst du im Winter tun?“ fragte die Bärin die Füchsin. „Oh, ich will alle Tage frischen Fisch essen und mir die Sonne auf den Balg scheinen lassen. Und ich will ungestört in meinem schönen Fuchsbau schlafen“, so sagte die Füchsin lächelnd. Die Bärin aber wußte, daß der Winter kommen würde.

Eines Tages zogen weniger Lachse den Fluß hinauf. Die Bärin sah es, und die Füchslein schalten sie: „Warum fängst du weniger Fische heute, wo wir doch Hunger haben wie jeden Tag?“ Und sie zankten mit der Bärin. Die Bärin sprach zu der Füchsin: „Ich danke dir sehr, daß du uns hast hier wohnen lassen, doch nun ist die Zeit gekommen, da wir wieder ziehen müssen und uns eine Winterhöhle suchen!“

Die Füchsin dachte sich, was spricht diese wieder vom Winter, wo die Sonne doch so herrlich scheint. Und sie schalt die Bärin wegen ihrer Worte.

Doch es wurden nun immer weniger Fische, die die Bärin fangen konnte, und eines Tages war es nur noch ein Fisch, ein wunderschöner und großer Lachs.

Da war die Füchsin sehr zornig und schrie laut: „Ich muß meine Kinder fortjagen, wenn ich nichts mehr zu essen für sie habe!“, und so geschah es. Die Füchsin jagte die Füchslein fort und wollte auch die Bärenkinder fortjagen. Diese aber trollten sich schon mit ihrer Mutter, der alten Bärin. 

Die Bärin zog wie jeden Winter zurück in den Wald. Die Lachse würden wiederkehren.

Im nächsten Jahr würde sie wieder fischen gehen. Vielleicht an einer anderen Stelle des Flusses.

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