Archiv für Dezember 2008

Ich bin kein Stinktier!

Mir geht es prima! Ich habe einen Freund gefunden! und das kam so…

Wie schon so oft habe ich mich zum Strand hinausgeschlichen, und dort beobachtete ich die Möwen. Ach, wie ich sie beneidet und bewundert habe! Diese eleganten Flieger, stark und doch grazil…

Ganz in meiner Nähe war noch ein Vogel, aber er war viel mickriger als die Möwen. Die flogen auch immer wieder zu ihm hin und verspotteten ihn. Sie schrien, er wäre ein Wicht, ein jämmerlicher.

Eigentlich fand ich ja zuerst, daß sie Recht hätten. Im Vergleich zu den Möwen war der Vogel wirklich unscheinbar. Er war viel kleiner und hatte einen schwarzen Schnabel, der nur an der Stelle direkt am Kopf des Vogels rötlich gefärbt war.

Aber als die Möwen anfingen, auf den kleinen Vogel einzuhacken, fand ich das nicht mehr gut. Ich sprang hin und warf mich dazwischen.

„Eh, du Spinner, zisch ab, sonst kriegst du es mit uns allen zu tun!“ schrie eine der Möwen mich an. Ich plusterte mich auf und knurrte wütend. Da bemerkte eine andere Möwe, was ich bin. „Iiiiih – ein Stinktier! Rette sich, wer kann!“ schrie sie, und die ganze Truppe hob hastig, dafür um so mehr kreischend, ab. „Verzieh dich, du Stinker!“ schrien sie mir noch zu und lachten laut.

„Das hätte schiefgehen können,“ meinte der kleine Vogel. „Ich bin übrigens ein Verwandter dieses wilden Haufens, und sie wollten meine Krabbe haben,“ sagte er, „ich bin eine Seeschwalbe. Magst du ein Stück Krabbe kosten? Sie sind sehr lecker, glaub mir. Die Möwen wissen das nur zu gut.“

„Ich bin nur ein Stinktier,“ antwortete ich. „Dabei wäre ich lieber eine Möwe, aber ich weiß nicht, wie man das macht.“ Ich guckte die Seeschwalbe an und erschrak plötzlich. „Ich wäre natürlich nicht so gemein wie die da, ich würde dir deine Krabbe nicht wegnehmen.“

„Komm, hier – und koste ruhig, schmeckt wirklich super,“ meinte die Seeschwalbe. „Und ich bin dir einfach nur dankbar, daß du mir geholfen hast, ist doch völlig egal, was du bist! Du mußt ziemlich mutig sein, wenn du dich mit ihnen so einfach anlegen wolltest, das tut sonst niemand!“

Es ist wirklich egal, was ich bin? Ich traute meinen Ohren kaum. Und die Seeschwalbe hatte die Wahrheit gesagt. Die Krabbe schmeckte himmlisch. Nur gut, daß ich keine Krabbe war. Aber wenn es wirklich egal war, was ich bin, warum machte mir das so viel aus, daß jeder mich ein Stinktier nannte?

„Ich habe mein Essen mit dir geteilt, du bist jetzt mein Freund!“ meinte die Seeschwalbe. „Komm mich besuchen, wann immer du willst – ich wohne dort oben am Hang, das ist die Seeschwalbenkolonie. Ich hab auch einen Namen, ich heiße Schmelz. Eigentlich würde ich lieber Scharfauge heißen, denn ich habe die schärfsten Augen der ganzen Kolonie, ich sehe jede Krabbe! Aber meine Mama meinte, Schmelz paßt auch sehr gut zu mir…“

Und damit machte sich mein neuer Freund auf den Heimweg. Ich trottete auch nach Hause. Bestimmt würde ich Schmelz mal besuchen gehen. Ich freute mich schon drauf.

Nur Mama schnupperte komisch an mir herum und meinte dann: „Komm rein, mein Stinktier.“

Ich bin kein Stinktier! Aber ich sage nichts.

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