Abrahams Weib

Wo willst du hin mit dem Jungen, Abraham? Nein, du bleibst hier und gibst mir eine vernünftige Antwort!

Ich habe es satt, daß du immer nur tust, was dir so gefällt. War ich dir keine gute Ehefrau? – Ich war dir immer eine gute Ehefrau! Ich halte das Haus und die Wirtschaft am laufen, ich kümmere mich um die Lämmer und ihre Mütter, die du von der Weide mitbringst, weil sie zu schwach sind. Ich stelle alles her, was nötig ist, ich spinne die Wolle und webe die Tücher. Ich nähe die Hemden, die du dann im Gestrüpp zerreißt, wenn du einem Schaf hinterherrennen mußt, weil du deine Hunde nicht im Griff hast.

Ich dagegen habe die Hofhunde gut erzogen, kein Durchreisender wurde je von ihnen gebissen, und doch bewachen sie die Vorratshäuser. Nie wurde uns gestohlen, was wir erwirtschaftet haben. Was ich erwirtschaftet habe!

Ich nähe deine zerrissenen Hemden, ohne mich jemals beklagt zu haben. Seit dein versoffener Vater und deine versoffenen Brüder mich zu Euch ins Haus geholt haben, habe ich alles klaglos ertragen. Ich tu meine Arbeit, und ich tu sie gut. Ich bleibe freundlich zu dir, wenn du selbst zuviel des Selbstgebrauten in dich hineingeschüttet hast. Das nicht du gebraut hast, sondern ich braute es. Und mein Bier ist das Beste der ganzen Sippe. Dennoch kein Grund, über den Durst zu trinken. Doch ich beklagte mich nie, und ich half dir, wenn du nicht mehr gerade stehen konntest, und wenn du dich selbst besudelt hattest. Ich half dir beim Reinigen, und ich brachte dir frisches klares Wasser für den Durst.

Du hast keinen Grund, auch nur ein schlechtes Wort über mich zu sagen. Das mußt du doch zugeben.

Doch nun… laß mich reden. Ich weiß nicht, was du vorhast, wenn du den Jungen jetzt mitnimmst. Ich habe gehört, daß komische Gerüchte kursieren… über bösartige Riten, über Gottesanrufungen und anderes. Ich verstehe nichts von solchen Dingen. Ich bin nur ein Weib, das die Wirtschaft führt. Und ich führe sie gut.

Laß mich nur noch so viel sagen, Abraham. Bring den Jungen mit, wenn du zurück kommst. Bring ihn mit, ohne daß ihm ein Härchen gekrümmt ist. Es ist mein Sohn, und ich bestehe darauf. Ich meine das sehr ernst.

Wenn du zurückkommst ohne ihn, solltest du nicht versuchen, auch nur einen Fuß über diese Schwelle zu setzen, Abraham…

Ich bin nur ein Weib. Aber ich bin auch eine Mutter. Und ich kann dir nur das eine sagen, wäge gut ab, was du tust. Wäge es sehr gut.

Advertisements

10 Responses to “Abrahams Weib”


  1. 1 buchstaeblich 26. Oktober 2009 um 12:07 AM

    Endlich einmal eine plausible Erklärung, wie es wirklich gewesen sein wird …

  2. 2 ruleta 16. November 2009 um 10:59 PM

    Ich merke gerade das ich diesen Blog deutlich öfter lesen sollte- da kommt man echt auf Ideen.

  3. 4 dubiator 4. September 2010 um 9:00 PM

    Oh, wäre es doch nur so gewesen – möglicherweise wären uns drei Religionen erspart geblieben!

  4. 5 Beobachter 28. Oktober 2010 um 9:58 AM

    Wer das geschrieben hat, kennt die Bibel nicht. Diese Person erkennt auch gar nicht den Sinn, der hinter dieser Geschichte steckt, von Abraham und Isaak und warum es überhaupt soweit kommen musste.

    Wegen Abrahams mangelndes Vertrauen in Gott (siehe 1.Mose 12:11-19 / 15:9-11 / 16:2-3 / 20:2-) musste es soweit kommen. Gott musste Abraham auf die Probe stellen, damit Abraham selbst herausfinden konnte wie sehr er Gott nun vertrauen würde oder nicht. Als Abraham mit dieser Frage konfrontiert wurde, hat er die Entscheidung gewählt vollkommen auf Gott zu vertrauen. Hätte er das jedoch schon, während seinen 50 Wanderjahren mit Gott, seit dem Auszug aus Ur in Chaldäa gemacht, hätte es gar nicht soweit kommen müssen.

    Jetzt stellen sich vielleicht einige die Frage warum man Gott denn am meisten vertrauen muss. Die Antwort ist an sich ganz einfach. Nur unter Gottes Leitung kann in Ewigkeit der Frieden und das Heil gesichert sein, da in IHM heilige Allwissenheit, heilige Allweisheit, heilige Allmacht und Allgegenwärtigkeit ist. 😉

  5. 6 yerainbow 28. Oktober 2010 um 1:43 PM

    Allwissenheit würde heißen, Der allwissende wußte schon von vornherein, wie sich der „frei zu Entscheidende“ entscheiden würde…
    Nachtigall ick hör dir trapsen…

  6. 7 rotegraefin 1. November 2010 um 12:30 AM

    Die Bibel ist ein Geschichtsbuch. Und Geschichte wie Geschichten entwickeln sich bekanntlicher Weise.
    Abraham und das Isaaks Opfer und die positivste Erklärung, die ich von einem Theologen erhalten habe, war dass zu der damaligen Zeit Kinderopfer noch durchaus üblich waren.
    Diese Erzählung sollte darauf hinweisen, dass der lebendige Gott keine Kinderopfer wünscht.
    Ich habe mehr auf den psychologischen Aspekt hingewiesen, dass Sarah durch die Bitte von Abraham sich als seine Schwester anstatt als seine Frau auszugeben so gekränkt, dass sie dann später von Abraham verlangte, dass dieser die Magd Hagar mit dem Sohn Ismael in die Wüste zu schicken und damit dem Tod ebenfalls Preis zugeben. Abraham darüber ein solch schlechtes Gewissen entwickelt hat, dass er unter einem richtigen Zwang stand den anderen Sohn auch noch zu opfern.
    Es ist gekränkte Liebe, die zu massiver Eifersucht führt und diese dann zu Mord. Wer lang genug diesen negativen Kreislauf beobachtet hat, kommt langsam aber allmählich zu einem umfassenderen Wissen, was für die, die es nicht haben, wie allwissend vorkommt.
    Nur wer sich für die Freiheit entscheidet und wer weiß was er will, ist diesbezüglich nicht berechenbar und manipulierbar. Weil
    der dann aus dem Augenblick heraus entscheidet.

  7. 8 dubiator 11. November 2010 um 12:19 PM

    @Beobachter: Das bekannte „Argument“: Wir Ungläubigen können die „Wahrheit“ ja nicht erkennen und sind demnach auch zu blöd, die Bibel zu lesen, denn der wahre Sinn erschließt sich nun mal nur dem Gläubigen. Das ist übrigens eine Tautologie. Aber Theologie ist ja nicht logisch, soll sie auch gar nicht sein, sonst könnte sie die letzten, unergründlichen Wahrheiten ja nicht ergründen.
    Wer jedenfalls unvoreingenommen durch berufsgläubige Interpretationen dieses „heilige Buch“ liest, stößt unentwegt auf blutrünstige, menschenverachtende, kriegerische Geschichten, in denen jener allmächtige Gott seinem auserwählten Volk alle naselang Mord und Totschlag befiehlt. Darin zeigt sich seine Allmacht, ja? Und er muß uns ja auch ständig prüfen, nicht wahr, mittels des Elends, das er auf der Erde zuläßt wenn nicht gar sendet – worin sich seine Allwissenheit und seine Allgüte zeigen. Letztere vergaßest du zu nennen, um das Theodizee-Problem vollständig zu machen. Wieso läßt ER eigentlich so viele Religionen und Sekten zu, die allesamt von sich behaupten, die Wahrheit gepachtet zu haben, und die sich immer mal wieder spalten, weil sich ihre Anhänger untereinander über diese „Wahrheit“ zuweilen nicht einigen können? Eine klare, alle Menschen überzeugende Offenbarung könnte schon heute Frieden in die Welt bringen, und nicht erst in Ewigkeit. Warum tut ers nicht in seiner Macht und Güte? Oh, ich vergaß: ER muß uns ja unentwegt prüfen.

  8. 9 Andreas Kyriacou 13. November 2010 um 6:11 PM

    @dubiator: Du erwartest tatsächlich Erlösung durch diesen herrschafts-, rach- und eifersüchtigen Gott?

  9. 10 Andreas Kyriacou 13. November 2010 um 6:12 PM

    Aargh, der Kommentar war natürlich an «beobachter» gerichtet, sorry.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s




Leser

  • 17,332 Rezipienten

Jahrhundertanzeige

Juni 2009
M D M D F S S
« Mai   Aug »
1234567
891011121314
15161718192021
22232425262728
2930  

Top-Klicks

  • -

Top-Beiträge


%d Bloggern gefällt das: