Archiv für Juni 2014

Freunde?

Ich sitze auf meiner Beute und rupfe ihr die Federn systematisch aus. Es war eine hübsche Taube, als sie noch lebte. Doch ich muß auch von etwas leben. Nicht weit von mir streunt eine zerzauste Katze durch das Gras. Sie miaut kläglich.
Vielleicht sollte ich ihr einen kleinen Teil meiner Beute überlassen, überlege ich.
Sie schaut mich freundlich an. Ich überlege noch immer. Sie könnte mein Freund sein.

Hinter mir raschelt es. Bevor ich sehen kann, was los ist, liege ich im Gras. Ein Gewusel aus Katzen macht sich über meine Beute her. Die zerzauste Katze kommt näher und sagt mir ins Gesicht: „Was du nicht festhalten kannst, gehört dir nicht, mein Kleiner. Hat Dir das noch niemand verraten? Gegen mich und meine Kinderschar hast du keine Chance  – flieg schnell weg.“

Die Taube war nur eine kleine Beute. Vielleicht hätte ich sie ihnen überlassen, wenn sie doch so hungrig sind. Ich kann leicht größere Beute schlagen. Diese hier sind nicht meine Freunde.

„Sag mir deinen Namen“, bitte ich die Katze, „damit ich weiß, wem ich nicht trauen darf…“

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haiku

mondschein zart geschwungen sanft
hufspur im sand regenwasservoll
silberschein-moment. Zikade staunt schweigend.


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