Archive for the 'Texte' Category

unfassbar!

„Na, komm schon, Kleine… du magst es doch auch… ich paß schon auf… wirst sehen, es tut dir gut, also zum Schluß. Halte doch mal still. Laß mich machen.“
Er lächelt über ihre naiven Bitten. Sie will nicht geschlagen werden? Er kennt das Spiel nur zu genau. Zum Schluß spielen sie alle mit. Und ein paar blaue Flecken haben doch noch nie geschadet. Ein wenig Gejammer gehört zum Spiel auch dazu, aber nun übertreibt sie damit. Er wird andere Seiten aufziehen.
„Ich bin Polizist. Du glaubst doch nicht wirklich, daß dir irgendwer helfen kann? Keiner schenkt dir Glauben, du stehst ganz allein da. Was glaubst du, wer du bist, mir meinen Spaß zu verderben? Und wie sie dich dann alle ansehen werden, weil du ein Flittchen bist…“

„Sowas habe ich bisher noch nicht gesehen. Unfaßbar! Ein Wahnsinniger muß das gewesen sein!“ sagte ein Beamter zum anderen. „Und das soll ein Kollege von uns gewesen sein? Der sieht aus wie durch den Fleischwolf gedreht. Ich kann da nicht mal menschliche Formen erkennen. Woher weiß man, was oder wer das war?“ Der Beamte reichte ihm einen Dienstausweis, an dem noch immer Blut klebte.
„Ich kannte ihn, er war neu. Kam von der Sitte. Wollte heute seinen freien Tag genießen.“

Haiku

Eintagsfliege nur..

Doch

Ich kann fliegen!

Die Sache mit Maria (Weihnachtsgeschichte)

Was denkst du dir nur dabei, Junge! Was? Die Sache mit Maria… Was soll das heißen? Mit Maria, das ist keine Sache! Du wirst mir jetzt zuhören, mein Sohn! Als Mutter kann ich wohl verlangen, daß du mir einmal richtig zuhörst, wenn die Sache ernst ist!
Die Sache mit Maria… Das ist so ein nettes Mädchen. Sie hat sich immer fair verhalten, jedesmal, wenn du dich mal wieder blamiert hast. Ja, mein Sohn, ich sage es nicht gern, aber manchmal bist du wirklich ein Tölpel. Im Veranstalten von Unsinn kann dir keiner das Wasser reichen.
Ich habe immer gehofft, daß aus dir mal ein ernsthafter Mann wird. Wie dein Vater vielleicht, der hat immer durchdacht, was er tut. Vielleicht hat er nicht immer das Richtige gedacht, aber er hat es versucht.
Das solltest du auch versuchen. Es zu durchdenken.
Es war schon nicht besonders nett, daß du sie überredet hattest, mit dir zu den Quellen hinaufzusteigen! Nun tu nur nicht so, als wäre ich immer schon so alt gewesen.
Natürlich sind auch wir zu den Quellen hinaufgestiegen, was denkst du denn! Ich weiß doch, was das heißt. Sieh dich um, alle deine Geschwister…
Und auch ihr steigt zu den Quellen hinauf, das ist der Lauf der Dinge. Aber sie zu überreden, und dann überall zu erzählen, du wärest es nicht gewesen… es wär wohl der heilige Geist gewesen…
Was denkst du dir nur dabei? Was hast du dir denn dabei gedacht?
Natürlich werden Frauen schwanger von sowas. Glaubst du, das kommt von allein…?
Du wirst die Sache wieder in Ordnung bringen, mein Sohn.
Ich war wohl zu nachsichtig mit dir und mit allen deinen Frechheiten in der letzten Zeit! Aber diesmal nicht. Du wirst sie heiraten!
Und das zu deinem eigenen Glück. Ihre Brüder nämlich sind schon reichlich zornig auf dich, mein Sohn. Und ich glaube nicht, daß du sie ohne Feier bei dir zu Besuch haben willst. Und das wirst du auf jeden Fall, sie bei dir zu Besuch haben. Mit oder ohne Feier.
Denk darüber, wie du willst, aber heirate sie, wenn du auch künftig noch auf zwei gesunden Beinen laufen möchtest. Mit denen ist nicht zu spaßen.
Und Maria ist so ein nettes Mädchen. Wenn ihre Brüder mit dir fertig sind, wenn du sie nicht heiratest, kriegst du es noch mit mir zu tun!
Denke gut darüber nach. Und nun fort mit dir, mein Sohn, denn du hast viel zu tun. Du hast eine Heirat vorzubereiten, eine Familie zu gründen, und damit eine ganze Menge Arbeit, wie du noch merken wirst.
Wann wolltest du denn gern erwachsen werden?
Jetzt ist der richtige Moment gekommen, glaube mir, mein Sohn.

Freunde?

Ich sitze auf meiner Beute und rupfe ihr die Federn systematisch aus. Es war eine hübsche Taube, als sie noch lebte. Doch ich muß auch von etwas leben. Nicht weit von mir streunt eine zerzauste Katze durch das Gras. Sie miaut kläglich.
Vielleicht sollte ich ihr einen kleinen Teil meiner Beute überlassen, überlege ich.
Sie schaut mich freundlich an. Ich überlege noch immer. Sie könnte mein Freund sein.

Hinter mir raschelt es. Bevor ich sehen kann, was los ist, liege ich im Gras. Ein Gewusel aus Katzen macht sich über meine Beute her. Die zerzauste Katze kommt näher und sagt mir ins Gesicht: „Was du nicht festhalten kannst, gehört dir nicht, mein Kleiner. Hat Dir das noch niemand verraten? Gegen mich und meine Kinderschar hast du keine Chance  – flieg schnell weg.“

Die Taube war nur eine kleine Beute. Vielleicht hätte ich sie ihnen überlassen, wenn sie doch so hungrig sind. Ich kann leicht größere Beute schlagen. Diese hier sind nicht meine Freunde.

„Sag mir deinen Namen“, bitte ich die Katze, „damit ich weiß, wem ich nicht trauen darf…“

Das ist der Preis

Jeder hat seinen Preis, so behaupten es viele. Mag stimmen, und mein Preis ist der Schmerz. Da hinten sehe ich sie wieder. Sie hocken beisammen und jammern und weinen.
Ich weiß, daß die nächste SAISON schon bald kommen wird. Ich fühle es in den Beinen…
Ich versuchte schon oft, ihnen zu zeigen, daß man Wissen haben muß und Können. Wer es nicht hat, kommt nicht durch die SAISON. Ich lernte dies von einem alten Hasen, der friedlich in einem hohen Alter entschlief, zwischen den SAISONS.
Er zeigte mir, wie man durchkommt. Er zeigte mir, welche gefährlichen Ecken man meiden muß. Und er zeigte mir, wie man kritische Punkte erkennt.
Ohne Wissen keine Chance, war sein Leitmotiv.
Ich war ein guter Schüler. Sein bester, vermutlich.
Ich jammere nicht mit den anderen, und sie verachten mich dafür. Ich schließe mich aus. Ich bin hochmütig. Ich bin sicher krank.
Da hocken sie schon wieder beieinander und beklagen ihr Schicksal und das der armen Opfer.
Ich fühle die nächste SAISON herannahen. Ich fühle es in meinen Beinen. Es ist ein schwaches Summen, das sich bald verstärken wird. Ich sehe die Zeichen und möchte sie warnen, doch sie wünschen zu klagen. Sie wollen mich nicht.
Sie hören nicht zu. Sie sagen, daß das schon immer so war. Und daß es so richtig ist. Sie werden nicht durch die SAISON kommen.
Ich weiß es.
Mein Preis ist der Schmerz.
Ich höre die Hunde schon bellen.
Ich spitze die Löffel und bleibe wach.
Ich bin ein Hase. Ich komme auch über diese SAISON, ich kann es.
Diese hier werde ich nicht wiedersehen. Es schmerzt.
Das ist der Preis.

Ein alter Birnenbaum

Ein alter Birnenbaum

der sollte gehn.

Die Krone hackte man ihm weg –

den Rest ließ man noch stehn.

Von seinen langen Schmerz

wollt´ keiner etwas sehn.

Der Baum war einfach nur im Weg.

Er sollte gehn.

Er zagte einen Winter lang.

Er weint´ sich in den Schlaf.

Die Frühlingssonne weckte ihn.

Er wußt´ nicht, ob er darf…

Ein letzter kleiner Ast an seinem Stamm.

Ein Lachen brach aus ihm heraus…

Er fragte nicht mehr, was noch kommen kann.

Er brachte eine Handvoll Blüten aus.

Die Hummeln waren wieder da.

Der Frühlingsregen kam.

Die Leute schüttelten den Kopf, woher

er wohl den Mut sich nahm…

Ein alter Birnenbaum, der wohl

erschöpft. Doch ungebrochen blüht.

Er zeigt uns, wie man das noch schafft,

bevor man wirklich geht.

schenk mir keine blumen

schenk mir keine blumen, hatte sie gesagt.
schenk mir dein Lächeln.
schenk mir den tag.
schenk mir nur eins –
kauf mir keine blumen.
schenk mir dein Herz.
…Ich schenk dir meins.




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