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Die Sache mit Maria (Weihnachtsgeschichte)

Was denkst du dir nur dabei, Junge! Was? Die Sache mit Maria… Was soll das heißen? Mit Maria, das ist keine Sache! Du wirst mir jetzt zuhören, mein Sohn! Als Mutter kann ich wohl verlangen, daß du mir einmal richtig zuhörst, wenn die Sache ernst ist!
Die Sache mit Maria… Das ist so ein nettes Mädchen. Sie hat sich immer fair verhalten, jedesmal, wenn du dich mal wieder blamiert hast. Ja, mein Sohn, ich sage es nicht gern, aber manchmal bist du wirklich ein Tölpel. Im Veranstalten von Unsinn kann dir keiner das Wasser reichen.
Ich habe immer gehofft, daß aus dir mal ein ernsthafter Mann wird. Wie dein Vater vielleicht, der hat immer durchdacht, was er tut. Vielleicht hat er nicht immer das Richtige gedacht, aber er hat es versucht.
Das solltest du auch versuchen. Es zu durchdenken.
Es war schon nicht besonders nett, daß du sie überredet hattest, mit dir zu den Quellen hinaufzusteigen! Nun tu nur nicht so, als wäre ich immer schon so alt gewesen.
Natürlich sind auch wir zu den Quellen hinaufgestiegen, was denkst du denn! Ich weiß doch, was das heißt. Sieh dich um, alle deine Geschwister…
Und auch ihr steigt zu den Quellen hinauf, das ist der Lauf der Dinge. Aber sie zu überreden, und dann überall zu erzählen, du wärest es nicht gewesen… es wär wohl der heilige Geist gewesen…
Was denkst du dir nur dabei? Was hast du dir denn dabei gedacht?
Natürlich werden Frauen schwanger von sowas. Glaubst du, das kommt von allein…?
Du wirst die Sache wieder in Ordnung bringen, mein Sohn.
Ich war wohl zu nachsichtig mit dir und mit allen deinen Frechheiten in der letzten Zeit! Aber diesmal nicht. Du wirst sie heiraten!
Und das zu deinem eigenen Glück. Ihre Brüder nämlich sind schon reichlich zornig auf dich, mein Sohn. Und ich glaube nicht, daß du sie ohne Feier bei dir zu Besuch haben willst. Und das wirst du auf jeden Fall, sie bei dir zu Besuch haben. Mit oder ohne Feier.
Denk darüber, wie du willst, aber heirate sie, wenn du auch künftig noch auf zwei gesunden Beinen laufen möchtest. Mit denen ist nicht zu spaßen.
Und Maria ist so ein nettes Mädchen. Wenn ihre Brüder mit dir fertig sind, wenn du sie nicht heiratest, kriegst du es noch mit mir zu tun!
Denke gut darüber nach. Und nun fort mit dir, mein Sohn, denn du hast viel zu tun. Du hast eine Heirat vorzubereiten, eine Familie zu gründen, und damit eine ganze Menge Arbeit, wie du noch merken wirst.
Wann wolltest du denn gern erwachsen werden?
Jetzt ist der richtige Moment gekommen, glaube mir, mein Sohn.

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Das Weib des Moses

Also… wenn du die nicht willst, nehm ich die eben. Wenigstens eine, die schon weiß, was Spaß macht, ist übrig geblieben… sonst sind das hier doch nur alles Kinder.

Ja, Milch und Honig – wer will das schon. Aber das frische Bier, das grad fertig war… die ganzen Leichen müssen noch ins Loch gegraben werden. Das ist echte Arbeit.

Die da, die wird dir sicher viel Spaß machen. Und wenn sie erst Kinder hat… Ach was, Kinder kriegen die Weiber doch einfach so. Werden dir dann sogar ähnlich sehen, der Teufel weiß warum. Ist einfach so. Die wird dir nicht wegrennen, wohin soll die auch? Ist doch grad mal erst ins passende Alter gekommen. Wenn du nicht allzu grob mit ihr bist, bleibt die doch gern bei dir, Moses…

Dieses unser neues eigenes Land ist das Paradies, und Gott selbst gab es uns.

Abrahams Weib

Wo willst du hin mit dem Jungen, Abraham? Nein, du bleibst hier und gibst mir eine vernünftige Antwort!

Ich habe es satt, daß du immer nur tust, was dir so gefällt. War ich dir keine gute Ehefrau? – Ich war dir immer eine gute Ehefrau! Ich halte das Haus und die Wirtschaft am laufen, ich kümmere mich um die Lämmer und ihre Mütter, die du von der Weide mitbringst, weil sie zu schwach sind. Ich stelle alles her, was nötig ist, ich spinne die Wolle und webe die Tücher. Ich nähe die Hemden, die du dann im Gestrüpp zerreißt, wenn du einem Schaf hinterherrennen mußt, weil du deine Hunde nicht im Griff hast.

Ich dagegen habe die Hofhunde gut erzogen, kein Durchreisender wurde je von ihnen gebissen, und doch bewachen sie die Vorratshäuser. Nie wurde uns gestohlen, was wir erwirtschaftet haben. Was ich erwirtschaftet habe!

Ich nähe deine zerrissenen Hemden, ohne mich jemals beklagt zu haben. Seit dein versoffener Vater und deine versoffenen Brüder mich zu Euch ins Haus geholt haben, habe ich alles klaglos ertragen. Ich tu meine Arbeit, und ich tu sie gut. Ich bleibe freundlich zu dir, wenn du selbst zuviel des Selbstgebrauten in dich hineingeschüttet hast. Das nicht du gebraut hast, sondern ich braute es. Und mein Bier ist das Beste der ganzen Sippe. Dennoch kein Grund, über den Durst zu trinken. Doch ich beklagte mich nie, und ich half dir, wenn du nicht mehr gerade stehen konntest, und wenn du dich selbst besudelt hattest. Ich half dir beim Reinigen, und ich brachte dir frisches klares Wasser für den Durst.

Du hast keinen Grund, auch nur ein schlechtes Wort über mich zu sagen. Das mußt du doch zugeben.

Doch nun… laß mich reden. Ich weiß nicht, was du vorhast, wenn du den Jungen jetzt mitnimmst. Ich habe gehört, daß komische Gerüchte kursieren… über bösartige Riten, über Gottesanrufungen und anderes. Ich verstehe nichts von solchen Dingen. Ich bin nur ein Weib, das die Wirtschaft führt. Und ich führe sie gut.

Laß mich nur noch so viel sagen, Abraham. Bring den Jungen mit, wenn du zurück kommst. Bring ihn mit, ohne daß ihm ein Härchen gekrümmt ist. Es ist mein Sohn, und ich bestehe darauf. Ich meine das sehr ernst.

Wenn du zurückkommst ohne ihn, solltest du nicht versuchen, auch nur einen Fuß über diese Schwelle zu setzen, Abraham…

Ich bin nur ein Weib. Aber ich bin auch eine Mutter. Und ich kann dir nur das eine sagen, wäge gut ab, was du tust. Wäge es sehr gut.


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