Posts Tagged 'Freundschaft'

Das ist der Preis

Jeder hat seinen Preis, so behaupten es viele. Mag stimmen, und mein Preis ist der Schmerz. Da hinten sehe ich sie wieder. Sie hocken beisammen und jammern und weinen.
Ich weiß, daß die nächste SAISON schon bald kommen wird. Ich fühle es in den Beinen…
Ich versuchte schon oft, ihnen zu zeigen, daß man Wissen haben muß und Können. Wer es nicht hat, kommt nicht durch die SAISON. Ich lernte dies von einem alten Hasen, der friedlich in einem hohen Alter entschlief, zwischen den SAISONS.
Er zeigte mir, wie man durchkommt. Er zeigte mir, welche gefährlichen Ecken man meiden muß. Und er zeigte mir, wie man kritische Punkte erkennt.
Ohne Wissen keine Chance, war sein Leitmotiv.
Ich war ein guter Schüler. Sein bester, vermutlich.
Ich jammere nicht mit den anderen, und sie verachten mich dafür. Ich schließe mich aus. Ich bin hochmütig. Ich bin sicher krank.
Da hocken sie schon wieder beieinander und beklagen ihr Schicksal und das der armen Opfer.
Ich fühle die nächste SAISON herannahen. Ich fühle es in meinen Beinen. Es ist ein schwaches Summen, das sich bald verstärken wird. Ich sehe die Zeichen und möchte sie warnen, doch sie wünschen zu klagen. Sie wollen mich nicht.
Sie hören nicht zu. Sie sagen, daß das schon immer so war. Und daß es so richtig ist. Sie werden nicht durch die SAISON kommen.
Ich weiß es.
Mein Preis ist der Schmerz.
Ich höre die Hunde schon bellen.
Ich spitze die Löffel und bleibe wach.
Ich bin ein Hase. Ich komme auch über diese SAISON, ich kann es.
Diese hier werde ich nicht wiedersehen. Es schmerzt.
Das ist der Preis.

Advertisements

schenk mir keine blumen

schenk mir keine blumen, hatte sie gesagt.
schenk mir dein Lächeln.
schenk mir den tag.
schenk mir nur eins –
kauf mir keine blumen.
schenk mir dein Herz.
…Ich schenk dir meins.



This life, black

just like a coffee

– not filtered –

bitter

until

the

dram

one´s last

the grounds

after all brimfull with rays of sunshine.

la vie, noire

comme un café

– non filtrée –

amère

ausqu´ à la

derniere gorgée

– le marc –

mais si bondée de rayons de soleil

Das Leben, schwarz

wie ein Kaffee

– ungefiltert –

bitter

bis

zum

letzten Schluck

dem Satz

und doch voller Sonnenstrahlen.

Dies ist der Sommer…

Sonne.
Wärme.
Mein alter Hund, der seinen letzten Sommer hat.

Ein freundlicher Blick in der Stille. Verstehen.
Nutzen wir die Zeit.
Ich kraule ihm die Ohren.

Das mythische Tier – eine Novelle

Es sah wunderschön aus.

Es stand auf der Lichtung, und sein weißes Fell leuchtete fast schmerzhaft in den Augen. Sein Horn trug es stolz, nun – es war ein Einhorn. Es war das mythische Tier, das man braucht, um das böse Tier zu bezwingen. Auch das böse Tier war ein Mythos, aber es sollte zu Macht und Reichtum verhelfen. Ich konnte beides gut gebrauchen. Ich hatte nirgends Erfolge vorzuweisen. Meine Familie erwartete keine Erfolge mehr, und meine Kinder waren selbständig und standen auf eigenen Füßen. Und ich? Ich wollte den Erfolg nun doch endlich fest bei den Hörnern packen. Und dafür mußten wir erst einmal Freunde werden, das Einhorn und ich.

*

Ich sah sie schon von weitem kommen. Eine schöne Frau, kein Mädchen mehr. Kein Püppchen, das hätte nicht hierher gefunden. Eine schöne freie Frau, die ihren Wert kennt. Stolz und unbeirrbar, und zielstrebig, das konnte ich sehen.

Sie kam auf mich zu und machte die magischen Rituale. Schon seit langem kamen keine Menschen mehr. Dabei sollen genügend vorhanden sein, behaupten zumindest meine Kollegen. Denn ich bin nicht das einzige Einhorn auf der Welt. Es gibt uns noch.

Sie machte mich neugierig.

Ich umging ein wenig die normalen Vorschriften und trat näher. Sie roch gut, ich merkte es sofort. Nein, nein, nicht daß man etwas falsches denkt. Ich habe kein solches Interesse an Menschenfrauen. Ich bin selbst ein weibliches Wesen. Daher verstehe ich ein wenig vom Weiblichen, obwohl ich zugebenermaßen kein Mensch bin.

Sie mußte ein großzügiges Herz haben und einen klaren Geist, sonst hätte sie mich nicht sehen können. Menschen sind auch an mir vorbei gegangen und haben mich nicht erkannt. Es ist nicht jedem gegeben.

**

Ich hatte keine Eile. Ich wollte mich zuerst hier mit diesem sagenhaften Einhorn anfreunden, ehe ich es mit zur Stadt nahm. Hier konnte ich es in aller Ruhe beobachten. Tiere sind gar nicht schwer zu durchschauen, und meist kann man sie mit etwas Eßbarem locken. Ich hatte verschiedene Sachen vorbereitet; Möhren geschnitten und Birnen gestückelt, ein wenig Hundekuchen für den Fall der Fälle und meine Plätzchen. Daß ich meine Plätzchen nicht selbst backe, spielt hier keine Rolle. Meine Tochter macht das, und sie macht das gut. Ich brauche mich da nicht einzumischen.

*

Wie es aussieht, will diese Frau erst einmal ein Picknick abhalten. Die Rituale schreiben eigentlich vor, daß man sich in den ersten 24 Stunden fernhält, um den Menschen nicht die Möglichkeit zu geben, einen ganz leicht mit Futter zu ködern. Aber die Rituale sind nicht wertvoller als die Erfahrungen, die man selbst schon gemacht hat. Meine Erfahrung sagt mir, daß sie etwas von mir will. Nur sehr selten kam jemand hier her, der nichts wollte. Das waren dann die wunderbarsten Erfahrungen, die man machen konnte. Aber das schenkt das Leben einem nur sehr selten.

**

Ich hatte nicht erwartet, daß ein Einhorn Plätzchen bevorzugt. Sicher waren sie nicht mal etwas besonderes, bestimmt waren sie aus einem Fertigteig. Wie ich schon sagte, ich sehe nicht nach, was meine Tochter da veranstaltet. Mir genügt es vollkommen, wenn sie auch die Küche wieder reinigt. Ich möchte nicht, daß die Küche wie ein Schlachtfeld aussieht, mit Krusten im Backofen und ähnlichem. Das kann man schon erwarten, finde ich.

Dann nehme ich mir die Möhren- und Birnenstückchen. Ich ernähre mich sowieso vegetarisch. Das ist besser. Gesünder. Und ich ertrage Bratengerüche einfach nicht, sie bewirken Brechreiz bei mir. Ich weiß nicht, weshalb das so ist. Es macht auch nichts, ich komme vegetarisch sehr gut zurecht. Und gesünder ist das allemal. Das weiß man.

*

Diese Frau ist anders als die Menschen, die mich sonst hier begrüßten. Sie ist geduldiger, wie mir scheint. Nun, abwarten. Ein mythisches Tier wie ich hat schon viel gesehen in seinem langen Leben. Und so knabbere ich die kleinen Küchlein und freu mich einfach, so etwas Gutes auf der Zunge zu haben. Sie wurden gebacken mit Stolz und mit Mut. Ich spüre auch einen kleinen Hauch Bitterkeit dabei, nicht viel. Gerade genug, um ihn zu fühlen. Abgerundet sind sie mit Zuversicht; es ist mein Lieblingsgewürz. Zuversicht ist unbezahlbar. Ich denke, ich mag diese Frau.

**

Eigentlich geht es mir nicht schlecht. Ich habe mein Auskommen. Ich habe mir einen Mann gesucht. Er ist liebenswürdig und nett. Er mochte meine Freunde nicht, also habe ich ihnen den Laufpaß gegeben. Das muß man verstehen, Freunde kommen und gehen. Man kann sich eine Weile auf sie verlassen, aber sie ersetzen keinen Mann mit einem eigenen Haus und einem sicheren Einkommen. Wenn es darum geht, was wichtiger ist, dann werde ich nicht mit meinem Mann streiten.

Es hat wundervolle Augen, dieses Tier. Es ist sehr zutraulich und schnuppert ein wenig an mir. Das ist schon in Ordnung. Ich fürchte mich nicht.

*

Ich frage mich, was diese Frau sich von mir wünschen wird. Gesundheit? Sie riecht sehr gesund. Mehr kann man sich wohl nicht erhoffen als Mensch. Mit den Wundern ist das so eine Sache. Es gibt sie schon, aber manchmal klappen sie nicht so richtig. Daher ist es besser, sich auf die Natur zu verlassen und mit ihr zu arbeiten statt gegen sie, Ihr versteht schon…

Sie riecht auch nicht ärmlich. Und schwach ist sie nicht. Sie hat sicher alles, was sie braucht. Ich bin gespannt, was sie meint haben zu müssen, das ich ihr geben soll.

**

Ich liege gern in meinem Bett. Es gibt mir das Gefühl von Sicherheit. Ich muß noch nicht hinaus, muß nicht beweisen, was ich kann. Ich muß nichts können. Ich habe schon viel Können beweisen wollen und bin nicht gut zurechtgekommen. Ich habe viele Talente. Aber keines hat mir zu dem verholfen, was ich immer wollte. Ich wollte Freiheit, Unabhängigkeit! Ich wollte meine eigenen Entscheidungen treffen können!

Statt dessen sollte ich Prüfungen ablegen; zeigen, was ich gelernt habe. Ich habe selbst gesehen, wie diese Prüfungen auf Menschen wirkten. Sie ließen sie zittern und stammeln, noch ehe es soweit war. Und hinterher ließ sie dieselben Menschen weinen oder lachen – es war nicht normal. Ich habe diese Prüfungen gehaßt – und ich habe sie vermieden. Sobald eine Prüfung anstand, bin ich ausgestiegen. Ich blieb einfach im Bett. Ich verschonte mich selbst damit.

Ich breite mein Tuch aus für die Nacht. Dieses schöne Tier geht, aber es wird morgen wiederkommen, ich bin sicher. Ich strecke mich aus. Es geht mir gut. Vielleicht könnte ich einfach hierbleiben für alle Zeit… Das habe ich zwar schon einmal gedacht, als ich nämlich einzog in das schöne große Stadthaus. Es war wunderbar. Und die Luft war voller Liebe. Kein Zwang frühmorgens zum Aufstehen, und wenn ich die Treppe herunterging, summte die Kaffeemaschine freundlich. Und doch bin ich nun hier.

* Weiterlesen ‚Das mythische Tier – eine Novelle‘


Leser

  • 17,456 Rezipienten

Jahrhundertanzeige

November 2017
M D M D F S S
« Jun    
 12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
27282930  

Top-Klicks

  • -