Die Menge macht‘s

Gastbeitrag von Big Ben.
Teil 2.

(Hier Teil 1)

Was willst Du damit sagen, ich hätte das alles falsch verstanden? Du behauptest doch immer ‚Wer heilt hat Recht‘. Dann soll auch ‚Wer killt hat Recht‘ gelten. Naja, egal. Der Kerl ist weg. Das ist das wichtigste! Lass uns von was anderem reden.“

Hatte ich Dir eigentlich schon erzählt, dass die mich letzte Woche bei den Anonymen Alkoholikern rausgeschmissen haben. Ich hätte eine Fahne gehabt. So eine Frechheit! Ich habe den Fusel seit Monaten nicht mehr angerührt. Nicht mal eine Schnapspraline oder was ähnliches habe ich gegessen. Ich weiß gar nicht, was das Ganze soll. Naja, ich komme auch ohne die Pappnasen da zurecht. Wieso bist Du heute eigentlich so unruhig?“

Sorry, ich würde ja gerne länger mit Dir schwatzen, aber ich muss gleich los. Ich muss heute unbedingt noch in Torbens Schule. Sein Klassenlehrer ist besorgt, da Torben immer noch nicht seinen Namen tanzen kann. Kratzschkowski ist aber auch verdammt schwer. Torben stolpert immer beim zweiten K. Selbst im Tod hat man nur Ärger mit diesem Scheißkerl von Ehemann.“

Und wenn Du wieder Deinen Mädchennamen annimmst?“

Das würde nicht viel helfen. Schnigge-Dollbudder ist nicht viel besser. Ich bin als Kind immer beim Bindestrich ausgerutscht. Torben muss einfach mehr üben. “

Mach Dir mal keine Sorgen. Der bekommt das schon noch hin. Ich muss jetzt übrigens auch los. Ich muss noch in die Apotheke. Meine Rescue-Tropfen sind schon wieder alle. Du weißt, ich war doch immer so aufgeregt vor den Treffen der Anonymen Alkoholiker. Aber die Tropfen haben auch nicht richtig geholfen. Egal wie viel man davon nimmt.“

Tut mir leid, aber Bachblüten-Präparate verkaufen wir nicht der Liter-Flasche. Sie wissen schon, dass im Allgemeinen wenige Tropfen reichen? Außerdem wären größere Mengen schon wegen des Alkohols, der darin ist, nicht zu empfehlen.“

Autopsie

Gastartikel von Big Ben.

Heute sollte es endlich so weit sein. Man sah ihr nichts an. Noch nicht. Aber innerlich grinste sie äußerst zufrieden.
„Schahaaatz, kommst du bitte. Das Essen ist fertig.“
Wie lange würde es wohl dauern? Woran würde sie merken, dass es funktionierte?
„Und, schmeckt es dir? Das ist ein ganz neues Rezept. Hat mir eine meiner Freundinnen aus dem Verein empfohlen?“
„Verein? Noch nicht etwa dieser Esotantenkaffeeklatsch? Dafür schmeckt es erstaunlich gut.“
„Und das Beste kommt erst noch. Bald bin ich dich los. Ich habe so die Nase voll von dir! Dein ewiges Gemecker! Wissenschaft hier, Beweise da. Du nervst! Wenn es funktioniert, ist es doch egal wie. Wärst du doch nur einmal mit in den Verein gekommen. Da hättest du dich selbst überzeugen können, dass ich Recht habe. Aber nein. Der Herr ist ja was Besseres. Ha! Nicht mehr lange.“
Verwirrt blickte er sie an. „Ich verstehe kein Wort. Wovon redest du?“
„Dein Essen enthielt zwei Kügelchen Zyancali D30. Hilde meinte zwar, eins würde reichen, aber ich wollte auf Nummer sicher gehen. Zyankali! D30! Bald wirst du röchelnd vor mir liegen und mich um Verzeihung betteln.“
Er grinste. „Ach deswegen war der Gulasch heute so süß. Naja, Zucker schadet nicht.“
„Hä? Wie bitte? Wo willst du jetzt hin? Merkst du nicht, dass du stirbst?“
„So schlecht kochst nicht mal du. Ich gehe jetzt in die Kneipe. Und wenn ich wiederkomme, bist du nicht mehr hier. Du und dein Esoscheiß gehen mir gehörig auf den Senkel. Wenn ich dich noch einmal zu sehen bekomme, verpasse ich dir etwas Blei in der Urtinktur. Pulverbeschleunigt.“
Kurz vor der Haustür brach er zusammen. Er war sofort tot.
Na also, dachte sie. Es hat zwar etwas länger gedauert, aber Homöopathie wirkt. Zuverlässig.

„Das sieht ja grauenhaft aus! Ein Wunder, das der Kerl überhaupt so alt geworden ist. Leberzirrhose. Herzverfettung. Arteriosklerose. Es sieht aus, als ob die einen Wettlauf gemacht hätten, wer ihn zuerst erledigt. Ich glaube, der Herzinfarkt hat wohl gewonnen.“

Hier geht es zu Teil2

Das ist der Preis

Jeder hat seinen Preis, so behaupten es viele. Mag stimmen, und mein Preis ist der Schmerz. Da hinten sehe ich sie wieder. Sie hocken beisammen und jammern und weinen.
Ich weiß, daß die nächste SAISON schon bald kommen wird. Ich fühle es in den Beinen…
Ich versuchte schon oft, ihnen zu zeigen, daß man Wissen haben muß und Können. Wer es nicht hat, kommt nicht durch die SAISON. Ich lernte dies von einem alten Hasen, der friedlich in einem hohen Alter entschlief, zwischen den SAISONS.
Er zeigte mir, wie man durchkommt. Er zeigte mir, welche gefährlichen Ecken man meiden muß. Und er zeigte mir, wie man kritische Punkte erkennt.
Ohne Wissen keine Chance, war sein Leitmotiv.
Ich war ein guter Schüler. Sein bester, vermutlich.
Ich jammere nicht mit den anderen, und sie verachten mich dafür. Ich schließe mich aus. Ich bin hochmütig. Ich bin sicher krank.
Da hocken sie schon wieder beieinander und beklagen ihr Schicksal und das der armen Opfer.
Ich fühle die nächste SAISON herannahen. Ich fühle es in meinen Beinen. Es ist ein schwaches Summen, das sich bald verstärken wird. Ich sehe die Zeichen und möchte sie warnen, doch sie wünschen zu klagen. Sie wollen mich nicht.
Sie hören nicht zu. Sie sagen, daß das schon immer so war. Und daß es so richtig ist. Sie werden nicht durch die SAISON kommen.
Ich weiß es.
Mein Preis ist der Schmerz.
Ich höre die Hunde schon bellen.
Ich spitze die Löffel und bleibe wach.
Ich bin ein Hase. Ich komme auch über diese SAISON, ich kann es.
Diese hier werde ich nicht wiedersehen. Es schmerzt.
Das ist der Preis.

Ein alter Birnenbaum

Ein alter Birnenbaum

der sollte gehn.

Die Krone hackte man ihm weg -

den Rest ließ man noch stehn.

Von seinen langen Schmerz

wollt´ keiner etwas sehn.

Der Baum war einfach nur im Weg.

Er sollte gehn.

Er zagte einen Winter lang.

Er weint´ sich in den Schlaf.

Die Frühlingssonne weckte ihn.

Er wußt´ nicht, ob er darf…

Ein letzter kleiner Ast an seinem Stamm.

Ein Lachen brach aus ihm heraus…

Er fragte nicht mehr, was noch kommen kann.

Er brachte eine Handvoll Blüten aus.

Die Hummeln waren wieder da.

Der Frühlingsregen kam.

Die Leute schüttelten den Kopf, woher

er wohl den Mut sich nahm…

Ein alter Birnenbaum, der wohl

erschöpft. Doch ungebrochen blüht.

Er zeigt uns, wie man das noch schafft,

bevor man wirklich geht.

schenk mir keine blumen

schenk mir keine blumen, hatte sie gesagt.
schenk mir dein Lächeln.
schenk mir den tag.
schenk mir nur eins -
kauf mir keine blumen.
schenk mir dein Herz.
…Ich schenk dir meins.



This life, black

just like a coffee

- not filtered -

bitter

until

the

dram

one´s last

the grounds

after all brimfull with rays of sunshine.

Das Weib des Moses

Also… wenn du die nicht willst, nehm ich die eben. Wenigstens eine, die schon weiß, was Spaß macht, ist übrig geblieben… sonst sind das hier doch nur alles Kinder.

Ja, Milch und Honig – wer will das schon. Aber das frische Bier, das grad fertig war… die ganzen Leichen müssen noch ins Loch gegraben werden. Das ist echte Arbeit.

Die da, die wird dir sicher viel Spaß machen. Und wenn sie erst Kinder hat… Ach was, Kinder kriegen die Weiber doch einfach so. Werden dir dann sogar ähnlich sehen, der Teufel weiß warum. Ist einfach so. Die wird dir nicht wegrennen, wohin soll die auch? Ist doch grad mal erst ins passende Alter gekommen. Wenn du nicht allzu grob mit ihr bist, bleibt die doch gern bei dir, Moses…

Dieses unser neues eigenes Land ist das Paradies, und Gott selbst gab es uns.


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